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Die neuen AHA-Kurse

Wie neu und wie viel besser sind sie?

Sommer 2007 - Wer aktuell in AHA-Kursen lehrt weiß, dass sie inhaltlich und didaktisch auf den Empfehlungen und Richtlinien der AHA von 2005 beruhen. Diese Richtlinien sind aus Bewertungen der CPR-Forschung von 350 international führenden Experten im Gebiet der kardiovaskulären Notfallmedizin entstanden.

Die Ausbildungsstruktur aller AHA-Kurse hat sich seit 2000 in Form und Funktion grundlegend geändert.

In früheren Kursen waren die Studenten eher passiv Lernende. Typisch dafür waren Diskussion und ausgedehnte Vorlesungen. Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Art der Ansprache durch den Dozenten und der Grad der Aktivität der Studenten alle 20 Minuten wechseln sollte. Dies entspricht der maximalen Länge der effektiven Aufnahmefähigkeit eines Erwachsenen.

In den jetzigen AHA-Kursen werden diese Lernprinzipien – empfohlen von Lozanov1, Meier2, Knowles3 u. a. – inzwischen allgemein angewandt. So führen die Studenten als aktiv Lernende die erlernten Fertigkeiten und Techniken gleich während des Kurses aus.


Knowles-Prinzipien für das Lernen von Erwachsenen

1. Erwachsene sind motiviert zu lernen, veranlasst durch Notwendigkeiten und Interessen.
2. Erwachsene lernen, wenn es Lebenslagen erfordern.
3. Erwachsene verfügen über viele Erfahrungen; ihr Lernen muss mit der Relevanz dieser Erfahrungen zusammenhängen.
4. Erwachsene müssen aktiv in den Lernprozess einbezogen werden: Der Lehrende fordert sie durch wechselseitige Befragungen und beteiligt sie an der Wissensvermittlung.
5. Erwachsene reagieren sensibel auf die Art des Unterrichts wie auf Lernzeiten, -orte und -schritte.


In den bisherigen Kursen trainierten die Studenten an Arbeitsplätzen, aber verbindliche Normen dafür waren nur lose definiert. Die Kriterien zum Bestehen des Kurses waren subjektiv und variierten von Instruktor zu Instruktor.

In den gegenwärtigen AHA-Kursen werden zum Abschluss die von den Studenten erworbenen Fertigkeiten geprüft. Die Studenten müssen diese anhand speziell definierter Kriterien belegen. Die Kriterien basieren auf beobachtendem Verhalten.


In den früheren Kursen hatte der kognitive Test nur eine begrenzte Aussagefähigkeit. Er wurde häufig nur in relativ kleinen Gruppen validiert.

In den gegenwärtigen AHA-Kursen unterliegen die kognitiven Tests einem strengen Validierungsprozess, um sicherzugehen, dass die Prüfungsfragen den Zielstellungen des Kurses entsprechen. Für alle Kurse gibt es einen Pilottest. Weitere Tauglichkeitsprüfungen der Tests finden laufend durch unabhängige Untersuchungen statt, die vom AHA EEC Education Subcommittee gesponsert werden.


In den früheren Kursen kam die praktische Ausübung der CPR-Techniken manchmal nicht zur Anwendung, weil die verbliebene Zeit nach den Vorlesungen dafür nicht ausreichte.

In den gegenwärtigen AHA-Kursen ist das Prinzip "Practice While Watching" (PWW), das auf den Forschungen von Braslow, Brennan, Newman u. a.4 beruht, inzwischen mit großem Erfolg durchgängig integriert.5 Zudem hat praxisbezogener Erfahrungsaustausch zwischen den Lehrenden die Möglichkeiten für das Training von CPR-Techniken erweitert.


In den früheren ACLS-Kursen wurden Kursleitung und -ablauf weitgehend durch einzelne Lehrkräfte vorgegeben. Demzufolge wurde wichtige Inhalte nicht immer auch dieselbe Art und Weise vermittelt.

In den gegenwärtigen AHA-Kursen ist es üblich, dass Dozenten onlinegestütztes Videomaterial nutzen, um vor allem die Techniken zu demonstrieren. Die Rolle des Instruktors hat an Bedeutung gewonnen, wobei ihm folgende Aufgaben zugeschrieben werden:
1. Initiator und Lenker von Diskussionen,
2. Überwacher des zeitlichen Ablaufs, um den Lehrstoff voll abzudecken,
3. Organisator von Lerneinheiten am Bildschirm und
4. Bewerter der Fertigkeiten der Studenten am Kursende.
So wird sichergestellt, dass die Kursteilnehmer nach Absolvierung des Kurses die Fähigkeit besitzen, Menschenleben zu retten.


In früheren Kursen bestand das Studienmaterial aus ausführlichen Textbüchern, die sich nicht immer als nutzerfreundlich herausstellten.

In den gegenwärtigen AHA-Kursen ist das Studienmaterial nach der Technik des Information Mapping (IM) strukturiert, das auf dem von Robert Horn6 entwickelten IM-System beruht. IM ordnet verschiedene Arten von Wissensvermittlung, wodurch es für den Lernenden leichter wird, sich den Lernstoff anzueignen, im Kopf zu behalten und gedanklich inhaltliche Transferleistungen zu vollbringen.7–9


In den früheren Kursen stand den Instruktoren keine aussagekräftige Zusammenstellung von Richtlinien zur Verfügung.

In den gegenwärtigen AHA-Kursen können die Instruktoren auf Vorbereitungskarten für die Präsentation der Kursinhalte zurückgreifen.


In den früheren Kursen konnte der Lehrstoff nur auf eine Weise vermittelt werden: durch die Methode "Klassenraum".

In den gegenwärtigen AHA-Kursen bedient sich der Instruktor alternativer Lehrstoffvermittlung und Lernmethodik. Für die Kursteilnehmer ist selbstbestimmtes Lernen möglich, das den sogenannten "Klassenraum"-Kurs ersetzt oder ergänzt.


Für das immerwährende Ziel mehr Menschenleben zu retten, kämpfen zwei Gruppen von Experten Seite an Seite – Wissenschaftler und Ausbilder. Sie ziehen an einem Strang: das beste evidenzbasierte medizinische Wissen zu erlangen und dieses nutzbar zu machen für den besten evidenzbasierten Erziehungs- und Ausbildungsprozess.


Literatur

1. Lozanov G. Suggestology and Outlines of Suggestopedia. London: Gordon and Breach; 1978.

2. Meier D. The Accelerated Learning Handbook. New York: McGraw-Hill; 2000.

3. Knowles M, Holton E III, and Swanson R. The Adult Learner (5th ed.). Woburn, Mass: Butterworth-Heinemann; 1998.

4. Braslow A, Brennan R, Newman M et al. CPR training without an instructor: development and evaluation of a video self-instructional system for effective performance of cardiopulmonary resuscitation. Resuscitation. 1997;34:207-220.

5.  Lynch B, Einspruch EL, Nichol G, Becker LB, Aufderheide TP, Idris A. Effectiveness of a 30-min CPR selfinstruction program for lay responders: a controlled randomized study. Resuscitation. 2005;67:31-43.

6. Horn R, Nicol E, Kleinman J, Grace M. Information Mapping for Learning and Reference. Cambridge, I.R.I. (A.F. Systems Command Report ESD-TR-71-165); 1969.

7. Jonassen D, Falk L. Mapping and programming textural materials. Programmed Learning and Educational Technology. 1980;17:20-26.

8. Falk L. Retrieval of Information from Self Study Texts [PhD dissertation]. Philadelphia, Pa: Temple University; 1980.

9. Schaffer E. Potential benefits of the information mapping technique. NSPI Journal. 1982;34-38.


Verfasser: William W. Lee, AHA-Direktor of Educational Research and AHA National Center staff liaison to the AHA ECC Education Subcommittee

Quelle: Currents in Emergency Cardiovascular Care
Volume 18, Number 2, Summer 2007, New and Improved